Suche

„Wenn das Denken weit­gehend von der KI über­nommen würde – das wäre eine Gefahr”

Interview mit Oliver Grabes von Gerrit Terstiege
Seit rund 17 Jahren ist Oliver Grabes Head of Design bei Braun und Vice President Innovation Design für P&G Grooming. Aktuell sind die neuen Möglichkeiten KI-gestützter Entwurfsprozesse eine Herausforderung, die diskutiert werden muss.
Foto von Oliver Grabes
Seit 2009 Braun-Chef­designer: Oliver Grabes
© Mel Huettenberger
GT: Du hast ja vor deiner Zeit bei Braun für eine Vielzahl von Marken und Unternehmen Produkte entworfen, darunter Nike, Sony, Panasonic und Microsoft. Ist es leichter oder komplexer nur für einen Brand zu arbeiten?
OG: Die Designarbeit für diese Marken war anders, denn da war ich ja nur projektbezogen aktiv. In der Rolle konnte ich mich viel mehr auf den Entwurf selber konzentrieren, war Consultant und Ideengeber. Jetzt geht es bei P&G darum, den Entwurfsprozess von Anfang bis Ende zu denken, ein Produkt bis zum Markteintritt zu begleiten – und auch noch viele Jahre danach. Dadurch ändert sich die Perspektive. Man plant viel lang­fris­tiger und fühlt sich auch ganzheitlich verantwortlich.
GT: Wie schafft man es, sich in so langer Zeit immer wieder zu motivieren – gestalterisch, technisch und kulturell am Ball zu bleiben?
OG: Das ist eine gute Frage. Man könnte meinen, das sei ja eigentlich immer wieder das gleiche, was man da so macht. Ist es aber nicht. Vieles ändert sich und es gibt immer wieder Chancen, etwa mit neuer Technik auf sich ändernde Kundenwünsche neue Lösungen zu finden. In den 17 Jahren hat es das noch nicht gegeben, dass wir gesagt hätten: genauso würden wir das Produkt jetzt wieder machen. Es findet immer eine Entwick­lung statt. Und das macht es spannend. Das ist wie beim Fußball: Es geht da ja auch immer um das Gleiche, aber jedes Spiel ist neu und anders.
GT: Gibt es etwas, das du von Dieter Rams gelernt hast?
OG: Ja, sehr viel. Und zwar direkt, als auch indirekt. Erst einmal ist Dieter Rams für mich ein wirklich ganz besonderer Mensch. Die Klarheit und Entschlossenheit, mit der er seine Haltung zum Design, aber auch zu anderen gestalterischen Zusammenhängen formuliert – davon kann man nur lernen. Das ist wirklich beson­ders. Und wir hatten auch im Laufe der letzten 17 Jahre sehr gute Gespräche, oft in seinem Arbeitszimmer, bei ihm zuhause. Das waren Stunden, die mich sehr inspiriert und geprägt haben. Und dann ist da natürlich auch sein Body of Work: das Erbe jahrzehntelanger gestalterische Arbeit für Braun, in leitender Funktion. So ent­standen Hunderte von herausragenden, konsequent gestalteten Produkten. Und natürlich geben seine zehn Thesen auch uns heutigen Braun-Designern und -Designerinnen immer wieder Orientierung.
GT: Wie stark spielt KI bei euch heute eine Rolle? Hat sie schon einen festen Platz im Designprozess oder geht es momentan noch darum, Potenziale auszutesten?
OG: Das ist ein wichtiges Thema, weil KI heute beginnt, die Prozesse stark zu verändern. Ich würde sagen, wir sind momentan im fortgeschrittenen Kennenlernmodus. Bis vor kurzem war die KI für uns noch nicht gut genug, um tatsächlich für Designprojekte eingesetzt werden zu können. Es war eher so ein Beobachtungs­spiel. Aber das ändert sich gerade. Die Ergebnisse sind seit einigen Monaten beeindruckend – und gleich­zeitig auch erschreckend. Das hat beide Komponenten.
GT: Habt ihr ein neues Programm bekommen? Liegt es daran?
OG: Es gibt ja sehr viel Neues auf dem Markt, es kommt fast jede Woche ein neues Programm dazu. Wie viele andere Konzerne hat P&G einen geschützten digitalen Raum, eine Art Bubble, in der wir Dinge generieren lassen, die dann nicht zum Training nach außen genutzt werden. Wir achten darauf, dass alles nach unseren Corporate-Richtlinien abläuft und geheim bleibt bis es zur Veröffentlichung kommt.
GT: Wie geht ihr mit diesem neuen Thema um?
OG: Wir nehmen uns als gesamtes Team jede Woche eine Stunde, die wir gemeinsam dem Thema KI widmen und wo wir uns über die gemachten Erfahrungen und das in der zurückliegenden Woche gewonnene, neue Wissen austauschen. Uns ist klar, dass man in unserem Designkontext weniger produktiv ist, wenn man die KI nicht benutzt. Bestimmte Dinge gehen einfach viel schneller. Andere wären sehr schwierig ohne KI umzuset­zen. Zum Beispiel einen Rasierer unter der Dusche im Einsatz zu zeigen – bevor dieser real existiert. Oder einfach nur Wassertropfen auf ein Produkt zu bringen, das ist aufwändig, wenn es gut aussehen soll, mit der KI geht so etwas schnell. Die neuen Tools werden bei uns verwendet, um den Kontext des Produktes oder bestimmte Funktionen besser zu erklären, aber nur begrenzt im detaillierten Gestaltungsprozess selbst. Und irgendwie bin ich darüber froh, denn so bleibt die Kontrolle über die Gestaltung beim Designer.
KI vereinfacht Produkt­kommunikation: Braun-Rasierer mit Wasser­tropfen in Badezimmer­umgebung
Grafik: Kong Linxuan & KI Software
GT: Wie laufen die Prozesse mit der KI denn konkret ab? Ich kann mir vorstellen, dass sich etwa Formen von Braun-typischen Knöpfen oder Schaltern mit der KI leicht durchspielen lassen … oder auch Farb- und Oberflächen-Varianten.
OG: Das sind Sachen, die können die klassischen CAD-Programme auch schon sehr gut. Die Frage ist oft eine der Geschwindigkeit: Macht es den Prozess schneller oder kann ich sogar etwas machen, was ich sonst nicht erreichen kann? Gerade in einer frühen Experimentierphase lohnt es sich, verschiedene Visualisierungsmög­lich­kei­ten, auch mit Hilfe von KI durchzuspielen. Ich bin sicher, das kommt in der nächsten Zeit immer stärker zur Anwendung. Wir haben aber eine wichtige Übereinkunft getroffen: Die verwendeten Entwurfs-Tools sollten nachher den Produkten nicht anzusehen sein. Denn am Ende wollen wir zu einem guten, klaren Gestal­tungsergebnis kommen, das zur Marke Braun passt.
GT: Ich muss gerade an aktuelle Architekturen denken, denen immer häufiger der digitale Entwurfsprozess anzusehen ist. Oft werden Entwürfe mit großer Eigenständigkeit und Prägnanz erwartet. Es geht dann nicht um klare, zurückhaltende Gestaltung, sondern um auffällige Formen, Materialien und Proportionen.
OG: Es wird von uns abhängen, was wir zulassen und wie wir mit den KI-Tools umgehen. Wenn wir den Entwurfsprozess immer weiter automatisieren, wohin geht dann die Reise? Werden die Ergebnisse durch KI dann nicht zu starr und zu vorhersehbar? Passt eine durch KI generierte Formensprache zu unseren Marken­werten und wie entwickelt sie sich weiter? Diese Fragen gilt es als Designteam zu beantworten.
GT: Dieter Rams hat seine Entwurfszeichnungen ja bewusst einfach gehalten – fast ganz ohne Schraffuren oder dramatische Blickwinkel. Arbeitet ihr überhaupt noch mit Skizzen? Ganz klassisch mit Block und Bleistift?
OG: Ja, die schnelle Skizze braucht es immer noch, im Teammeeting am Tisch in Kronberg oder bei einer Video-Konferenz mit anderen in Genf und Boston. Wir lachen oft gemeinsam, wenn ich eine ziemliche schlechte, zu schnelle Skizze in die Kamera halte. Aber Hauptsache der andere versteht, was man meint. Gerade wenn es um die schnelle Kommunikation im gemeinsamen Entwurfsprozess geht, ist eine Skizze immer noch unschlagbar. Oder natürlich auch wenn man – egal wo man ist – eine gestalterische Idee fest­halten möchte. Auch die taktile und haptische Dimension ist bei unseren Produkten sehr wichtig, daher reicht oft die rein digitale oder zweidimensionale Visualisierung nicht aus. Ich bin heute Morgen vor unserem Inter­view hier ins Büro gefahren, um eine Textur, die wir über Nacht gefräst haben, direkt anzufühlen. Ich wollte diese Textur spüren, sie anfassen, bevor wir entscheiden, sie als richtiges Designmodell umzusetzen. Zum Glück haben wir – wie vor vielen Jahren bei Dieter Rams – im Team immer noch den Modellbau als zentralen Bereich des Entwurfsprozesses. Es gibt bei uns kein finales Design, das nur am Bildschirm entstanden wäre.
Arbeiten im Loop: Themenfelder des Braun-Designstudios
Illustration: Philipp Goeder
GT: Bringt einen KI eigentlich auf Gestaltungsideen?
OG: Ich glaube, eine Idee kann ganz unterschiedlich entstehen. Und mit KI gibt es heute einfach noch eine weitere Art, wie sie sich entwickeln kann. Aber diese weitere Möglichkeit ist keine Garantie dafür, dass eine gute Idee entsteht. Das halte ich nach wie vor für ein wichtiges Kriterium für gute Gestalterinnen und Gestal­ter: Offenheit und ein Vorstellungs- und Beobachtungsvermögen zu haben. Denn vieles beginnt bei uns mit Fragen wie: Wo ist eigentlich ein Problem? Wo kann ich etwas funktional verbessern? Was kann ein noch besseres Produkterlebnis schaffen? Und welche Idee, welche Gestaltung und Materialien eignen sich dafür, ein möglichst sinnvolles, langlebiges Gerät entstehen zu lassen? Sehr oft sind es auch gerade die kleinen Details, mit denen wir die Designsprache weiterentwickeln: Eine neue Textur, oder ein haptisches oder visu­elles Anzeichen, um diesen wichtigen Begriff als Referenz zu Richard Fischer zu nennen, der als ehemaliger Braun-Designer unter Rams dann einer meiner Professoren an der HfG Offenbach war.
GT: Jetzt bist du ja schon seit langem Honorarprofessor in Wuppertal für strategisches Produktmanage­ment. Da hast du natürlich auch direkten Kontakt mit der jüngeren Gestaltergeneration. Inwiefern ist für die der Umgang mit KI schon selbstverständlich? Muss man die Studentinnen und Studenten in dieser Hinsicht fast schon bremsen?
OG: Es kommt sehr auf die Lehrenden an, die richtigen Prozesse, Werte und Inhalte zu vermitteln. Denn man kann heute schlechte Ideen mit KI unglaublich schnell und effektvoll darstellen. Das sehe ich als Gefahr – wenn eigentlich schwache Entwürfe spektakulär aussehen. Dieses Problem gab es früher so nicht. Man musste durch den aufwändigen Prozess von ersten Skizzen, präzisierenden Zeichnungen, eigens gebauten Vormodellen und detaillierten Modellen über viele Wochen darüber nachdenken, was man da tut. Man setzte sich zwangsläufig intensiv mit einem Objekt auseinander. Heute geht alles schnell. Man lässt die KI machen und schaut, was rauskommt. Und wenn es irgendwie cool aussieht, glaubt man, schon gewonnen zu haben. Ich sehe es daher als eine der Aufgaben von Lehrenden im Design an – und übrigens auch der rams foundation – diese Entwicklung besser zu steuern. Das menschliche Denken nicht aus dem Entwurfsprozess herauszu­neh­men. Zu helfen und zu fragen: Für wen und warum gestalte ich etwas? Und was ist meine Haltung – oder die Werte einer Marke, für die ich gestalte? Was ist gutes Design? Und wie können wir dann das, egal mit welchen Werkzeugen, erreichen?
GT: Ich kann mir auch vorstellen, dass sich die Inhalte der Bewerbungsmappen durch KI geändert haben. Und auch die Erwartungen der Studierenden an die Taktung von Aufgaben. Denn was früher zwei oder drei Wochen brauchte, ist heute am Nachmittag schon fertig. Wie kann man als Professor die Designprozesse wieder verlangsamen?
OG: Zum Beispiel durch eine Art Checkliste, die man als Aufgaben oder Challenges vorgeben kann und die Menschengemachtes und Physisch-Haptisches enthält. Und indem man sagt: Leg nicht einfach los, sondern überlege erst genau, wie du diesen oder jenen Punkt adressierst. So kann man zu einer vertiefenden Ausein­andersetzung anregen. Wenn es dann an die Umsetzung geht, kann man helfen: Versuche bestimmte Punkte greifbar zu machen – aber innerhalb der Grenzen, die wir vorher definiert haben, um ein Ergebnis zu bekom­men, das diese wichtigen Kriterien erfüllt. Es geht mir dabei gar nicht so sehr um eine Verlangsamung der Gestaltungsprozesse, sondern darum, das Denken erst mal vorzuschalten und zu definieren, was ich eigent­lich will und warum. Wenn das geklärt ist, darf es ruhig auch schnell gehen.
GT: Dein Begriff der „Checkliste“ lässt mich an die zehn Thesen von Dieter Rams denken. Sie fungieren ja quasi auch als ein Kriterienkatalog, als ein Wertesystem, mit Abgrenzungen und Wegweisungen. Aber so etwas Komplexes kann man doch nicht einfach in ein KI-Programm einspeisen und sagen: Wirf mir ein schlichtes, verständliches, ehrliches, sachliches, funktionales und ökologisches Produkt im Geist von Dieter Rams aus … oder wäre so etwas möglich?
OG: Das ist sicher möglich. Und wer weiß, vielleicht arbeiten wir in Zukunft immer mehr so, was im Fall der zehn Thesen ja wünschenswert wäre. Ich sehe es als Aufgabe des Menschen an, Werte zu definieren und damit dann den Entwurf neuer Dinge oder neuer Systeme zu lenken. Wenn in der Ausbildung auch das über­geordnete Denken von der KI weitgehend übernommen würde, die Definition einer Haltung – darin sähe ich eine Gefahr. Als Lehrer oder in meiner Rolle als Designlead bei Braun möchte ich immer wieder dazu anregen, darüber nachzudenken, was wir wollen. Und erst dann mit der Umsetzung, mit der Visualisierung und Aus­führung zu beginnen. Und nicht einfach drauflos zu „prompten” und der KI alles zu überlassen.
GT: In dem Zusammenhang kommt wohl auch der Designgeschichte eine neue Bedeutung zu. Denn oftmals scheint das Wissen verloren gegangen zu sein, wie sich die Dinge entwickelt haben. Wenn man aber weiß, wie um den SK 4 oder den T 1000 gestalterisch gerungen wurde, wird man einer Designlösung, die in 5 Minuten entwickelt wurde, sicher skeptisch gegenüberstehen – gerade wenn KI im Spiel war.
OG: Genau. Wir haben ja hier in Kronberg glücklicherweise die Braunsammlung, die wir für Besucher nutzen, um die Historie und die Werte der Marke zu erklären. Der Weg zum Verständnis der Marke Braun führt ganz oft über unsere Sammlung. Da braucht man dann gar nicht mehr viel zu sagen. Die Sammlung wird zum gemein­samen Nenner, mit dem man die heutige Situation besser versteht. Die sieht man dann durch diese Brille. Und das macht die Diskussion einfacher und erklärt, warum wir die Dinge so tun, wie wir sie tun.
Einblick in die Braun­sammlung in Kronberg
Foto: Nils Geisselbrecht
GT: Das bringt mich auf den Braun Preis. Ist der nach wie vor ein Instrument, junge Talente zu identifizieren für das Team? Es gab ja glaube ich einen Re-Start des Preises 2025.
OG: Wir haben den Braun Preis tatsächlich konsequent alle drei Jahre weitergeführt. Aber er ist sicherlich etwas weniger sichtbar gewesen in der COVID-Zeit. 2021 konnten wir ihn nicht physisch mit einem Event verbinden, das wäre verantwortungslos gewesen. Daher haben wir ihn damals rein virtuell umgesetzt. Auf der Braun-Sammlerbörse im Mai 2025 haben wir dann noch mal einen kleinen Event gemacht mit den Gewinnern des 2024er Preises. Es war sehr schön, die Leute kennen zu lernen und die Menschen hinter den jeweiligen Arbeiten zu sehen. Und zu deiner Frage: Durch den Braun Preis entsteht ein Netzwerk an besonderen Talen­ten, die sich untereinander vernetzen. Und auch wenn es bei uns nicht zu einer Anstellung kommt, bleiben wir in Verbindung. Das Niveau der Einreichungen hat sich übrigens bereits vor dem Einsatz von KI immer weiter nach oben entwickelt. Wenn man sich die Videos und Animationen anschaut von denen, die 2024 ausge­zeich­net wurden – die sind vielfach in der Qualität von großen Markenpräsentationen kaum noch zu unterscheiden.
Designsprache in Anwendung: Braun IPL-Gerät Skin i-expert und Braun-Rasierer
Fotos: Braun Design Team
GT: Im Bereich Rasierer herrscht bei Braun eine deutliche Geschlechter-Trennung: die Bart-Rasierer wirken sehr technoid, klar, robust. Die Epilierer für Mädchen und Frauen haben vielfach fließende Linien, weiche Formen, zarte Farben. Warum geht man nicht mehr in Richtung Unisex Design?
OG: Wir versuchen ja bei P&G schon ganz am Anfang der Produktentwicklung immer, genau auf die Nutzer­innen und Nutzer zu schauen. Wie kann man Menschen helfen? Was sind deren Probleme, deren Themen? Was ist ihnen eigentlich wichtig? Das leitet uns und das versuchen wir dann in einem klaren Markenkontext in der Gestaltung umzusetzen. Jetzt ist es einfach so, dass die große Mehrzahl der Männer tatsächlich eine tech­nische Designsprache bei Rasierern präferiert. Das wissen wir durch viele Tests. Wir haben auch neutraleres, weniger gender-spezifische Produktdesign ausprobiert. Das war weit weniger gefragt, weniger beliebt. Aber für beide Geschlechter arbeiten wir mit einer gemeinsamen Gestaltungssprache, die unsere Designprinzipien klar definiert – wie zum Beispiel das Design von Bedienelementen. Diese werden immer als Kreis oder Lang­loch gestaltet. Ohne Ausnahme. Mit Hilfe dieser Designsprache entstehen Braun-Produkte in sehr unter­schied­lichen Kategorien, die dennoch gestalterisch sehr viel miteinander teilen.
GT: Generell soll ja, das fordert auch die Politik, die Reparaturfähigkeit von Elektrogeräten verbessert werden. Das bedeutet auch Veränderungen für das Design. Nun werden zum Beispiel Schrauben wieder akzeptiert, die lange als unelegant galten. Auf welche Weise vereinfacht ihr die Reparaturmöglichkeiten von Braun-Produkten?
OG: Ja, das ist tatsächlich eine sehr schöne Entwicklung, dass wir dieses Thema in der für uns so wichtigen Gerätekategorie der Rasierer so vorangetrieben haben. Denn Braun-Rasierer haben seit Jahrzehnten sicht­bare Schrauben. Auch um anzuzeigen, dass das Gerät repariert werden kann, sollte mal ein Problem auftreten. Wir haben einen eigenen Support aufgebaut, wo man sehr schnell Produkte repariert und Teile ausgetauscht bekommt. Und um da auch den Bogen zu spannen zu Dieter Rams und den zehn Thesen: Die Popularität seiner Haltung und die verstärkte Bedeutung von Nachhaltigkeit im Design stehen ja in direktem Zusammenhang mit der konsequenten Entwicklung von langlebigem Design und reparierbaren Produkten. Damit beginnt es – und die eigentliche visuelle Gestaltung eines Gerätes ist dann der nächste Schritt. Wir haben viele Elemente vereinfacht, auch um die Komplexität von Reparaturen zu reduzieren. Design, das zwar für den Nutzer nicht sichtbar sein mag, aber enorm wichtig ist.
Reparierbarkeit zeigen durch sichtbare Schrauben
Fotos: Braun design team

Weitere Beiträge

© f/p design Co. Ltd.

Fritz Frenkler

Der renommierte Produktgestalter und Hochschullehrer Fritz Frenkler betreibt seit über 25 Jahren das Büro f/p design, mit Standorten in Berlin, München und Kyoto. Er ist berufenes Mitglied im Kuratorium der rams foundation, Mitglied der Akademie der Künste Berlin und engagiert sich seit über 30 Jahren in der Jury des iF Design Award.

Mark Adams sitzt vor einem historischen Vitsœ-Plakat.

Mark Adams

Mark Adams, der langjährige CEO von Vitsœ, spricht über die Zusammenarbeit mit Dieter Rams, die schwierige Suche nach dem richtigen Gestalter für das Produktionsgebäude in Royal Leamington Spa – und über seine Vision für die Zukunft des Unternehmens.

Der Architekt Till Schneider im Frankfurter Hauptsitz von schneider+schumacher

Till Schneider

Till Schneider ist Partner des international aufgestellten Archi­tekturbüros schneider+schumacher. Hier gibt er Ein­blicke in seine Haltung als Architekt, äußert sich zur kreativen Partnerschaft mit Michael Schumacher – und nimmt zur Disziplin Design Stellung.
Suche